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Der MKC - schon immer besonders


Wenn ein Verein nun schon fast 60 Jahre existiert, können sich auch die ältesten noch aktiven Mitglieder, waren sie doch damals noch Knaben oder allenfalls blutjunge Männer, kaum noch daran erinnern, wie alles begann. In solchen Fällen ist man froh, wenn man einen Archivar hat, der noch existierende Dokumente aus dieser Zeit in seinem Archivgut hat und man nochmal nachlesen kann.

In einer noch oder soll man sagen schon mit Schreibmaschine geschriebenen Chronik (für die Jüngeren: das war sozusagen der Computer des mittleren 20. Jahrhunderts!) heißt es wie folgt:

"Am Anfang war der Ortsclub, gegründet am 27. November 1959. Unter seinem ersten Vorsitzenden Klaus Wronski gab es zu den vielseitigsten Veranstaltungen bereits im ersten Jahr fast 5000 Besucher. Es fehlte aber noch der Clou, das Tüpfelchen auf dem i, wie man zu sagen pflegt.
Besonders im Winter war es noch zu ruhig um das Kulturleben der Marbacher. Im Februar 1961 gestaltete der Ortsclub eine Faschingsveranstaltung - ausverkauft - tolle Stimmung - großer Anklang! 'So was müßt ihr wieder machen!' war die einstimmige Meinung im Ort.

[...]


1962 saß der erste Marbacher Elferrat hinter wackligen Kneipentischen auf alten Holzstühlen in geliehenen Kostümen mit roten, abfärbenden 'Weihnachtsmann'-Umhängen im 'Marbacher Schlößchen'.
Bei dem großen Faschingstanz proklamierte sich der lustigste der kleinen Narrenschar, Karl-Heinz Schulz mit seiner Gattin Helga, zum ersten Prinzenpaar Marbachias.

Und was kam danach?

Im November 1963 gab es erstmalig eine Eröffnungsveranstaltung am 11.11. und die 'Tollen Tage'.
Wir gaben uns dem Namen 'A M K', 'Arbeitsgemeinschaft Marbacher Karneval'.

[...]

1967 Die Arbeitsgemeinschaft erhält (wegen der unpassenden Bezeichnung A R B E I T S - Gemeinschaft) den neuen Namen: 'M K C  Marbacher Karneval-Club'."


So feiert der Marbacher Karneval Club e. V. (MKC) also seit 1962 Karneval und beging in diesem Jahr bereits seine 59. Saison. Die Zielsetzung des Vereins war damals wie heute die Gleiche: Durch karnevalistische Brauchtumspflege (Satire, Humor) in öffentlichen Veranstaltungen Freude zu verbreiten und die Menschen in fröhlicher Atmosphäre sich einander näherzubringen.

Bereits zu DDR-Zeiten war der Karneval in Marbach mehr als ein Geheimtipp. Die Karten wurden eher vererbt denn verkauft und so ist es nicht verwunderlich, dass auch die DDR-Obrigen auf das närrische Treiben aufmerksam wurden.

Die besondere Bedeutung des MKC für den Erfurter Karneval erkannte man schließlich auch in Partei und Regierung und so wurden wir im Jahr 1980 mit dem Titel "Hervorragendes sozialistisches Volkskunstkollektiv" ausgezeichnet.

Doch mit Satire und Humor muss man umgehen können, gerade wenn man als Person des öffentlichen Lebens kritischer beäugt und durchaus auch mal kritisiert wird. Den Regierigen des Arbeiter- und Bauernstaates war das zuviel und so verhängten sie im Jahre 1984 ein "staatlich erteiltes Auftrittsverbot" für eine systemkritische Bütt zweier "scheinheiliger" Karnevalsfreunde. Der Programmpunkt passte nach Auffassung der Genossen nicht oder anders gesagt: Man berief sich auf die Trennung von Staat und Kirche und damit habe ein Pfarrer (und sei er nur so kostümiert) nichts auf der Bühne einer gesellschaftlichen Veranstaltung zu suchen.

Als der Verein daraufhin entschied "entweder alle oder keiner" und kurz vor dem Senioren-Karneval die gesamte Saison abbrach, war das dem Bezirksbürgermeister Tyra und den Kandidaten der Nationalen Front auch wieder nicht recht. Mehrfach waren sie zu Versammlungen des Vereins vor Ort. Sogar ein "politischer Erpressungsversuch" wurde dem MKC vorgeworfen. Dennoch versuchten die Genossen, die Vereinsverantwortlichen zum Einlenken zu bewegen."Es könne nicht sein, dass die Bevölkerung darunter [der Zensur??] leidet. Daher sollten die Veranstaltungen auf Biegen und Brechen durchgeführt werden und nach dem Aschermittwoch sollen die Problemklärungen erfolgen."

Die Genossen vom Stadtbezirk Erfurt-Nord waren wild entschlossen. Der Stadtrat für Kultur ruderte zurück, es gäbe kein Auftrittsverbot, sondern nur Hinweise. Bezirksbürgermeister Tyra gebrauchte die Worte "...die Finanzierung spielt zur Zeit keine Rolle, dies wird noch geklärt." Als das damalige Elferratsmitglied Hans-Paul Vogl daraufhin entgegnete, die Bestellungen seien durch die Gaststätte allesamt rückgängig gemacht worden, erwiderte der Bezirks-BM, dass es "mindestens Montag und Dienstag laufen müsse" - egal wie.

Alt-Präsident Karl-Heinz Schulz erklärte danach kurzfristig den "durch den Stadtbezirk Erfurt-Nord verordneten Karneval für eröffnet" und mit Lautsprecherwagen zog man durch den Ort, um die bereits beendete Saison wieder zu reaktivieren.

Die Position des MKC zur Entmündigung der Bürger und Zensur unseres Programms ist in der Grundsatzerklärung aus dem Jahr 1984 nachzulesen. Ja, wir Marbacher sind schon ein streitbares Völkchen.

Und dann, dann kam die Wende, wie es die Ärzte so schön singen. Für die MKC bedeutete dies, sich in der "neuen" vereinten Karnevalswelt zurechtzufinden. Aufgrund des wortgewaltigen Einsatzes (so schreibt es der ehemalige Präsident der GEC, Rolf Fliedner, auf deren Homepage) des ehemaligen Vereinspräsidenten des MKC, Hans-Paul Vogl, wurde 1991 die Gemeinschaft Erfurt Karneval mit dem Ziel gegründet, "alle städtischen Großereignisse unseres Brauchtums in Zusammenarbeit mit dem neuen, frei gewählten Oberbürgermeister der Stadt und der Kulturdirektion von nun zu gestalten" (Rolf Fliedner, Chronik der GEC, https://erfordia-helau.de/gec/geschichte/chronik).

Die GEC als Dachverband des Erfurter Karneval erfüllte leider die Erwartungen nicht, die wir mit unserer Mitgliedschaft in dieser verbunden hatten und so entschlossen wir uns, die GEC wieder zu verlassen.

Auf eigenen Füßen stehend bieten wir seit Jahren mit 8 öffentlichen Veranstaltungen eines der umfassendsten Programme in der Erfurter Karnevalslandschaft. Unsere Saison beginnt traditionell mit der Flaggenhissung und Schlüsselübernahme für die Ortsteilverwaltung vor dem "Marbacher Schlösschen", nach 3 Frühschoppensitzungen, 2 Kostümbällen, einem Kinderfasching und der Rosenmontagsparty endet unsere Saison mit einer vereinsinternen Saisonabschlussfeier am Aschermittwoch. Selbstverständlich sind wir fester Teilnehmer beim Festumzug. Fester Bestandteil unserer Saison ist unsere Kappenfahrt in soziale Einrichtungen der Stadt am Rosenmontag.

Wir sind ein Verein ohne anerkannte Steuerbegünstigung im Sinne des Dritten Abschnitts der Abgabenordnung und mit rd. 190 Mitgliedern einer der größten Karnevalsvereine der Stadt. Wir sind außerdem Gründungsmitglied des Landesverbandes Thüringer Karneval sowie der Interessensgemeinschaft Marbacher Vereine (IGMV) und Mitglied der Närrischen Europäischen Gemeinschaft.

Ein besonderer Dank gilt an dieser Stelle unserem Archivar, Harald Dressler, für die Recherche nach Quellen und Belegen für unsere Vereinshistorie.

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Das Urgestein des Erfurter Karneval - natürlich Minister beim MKC

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"Solang' wir leben" oder "Delirium", keine Veranstaltung beim MKC endet ohne diese Stimmungssongs, die in Erfurt fast genauso bekannt sind wie Margit Sponheimers "Am Rosenmontag".
Und sollten Sie sich nun fragen, aus wessen Feder diese Titel stammen - ganz einfach:
von einem Minister des MKC, nämlich von Harald Fahrenberger, unserem Mäcki.

In diesem Sinne freuen wir uns auf die nächste Saison, denn
So lang' wir leben, so lang wir leben, da wollen wir noch einen heben!
und wer seine Grenzen nicht kennt, der lernt dann eben das Delirium kennen.
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